Deutsche Sprach-Kultur (und ‑Unkultur)

Verschlimmbesserungen der deutschen Sprache

Bis vor einiger Zeit gab es im deutschsprachigen Raum eine Sprachkultur des Hochdeutschen, die sich ebenso präzise wie bildhaft und sensorisch ausdrücken konnte. Bis in die Feinheiten. Nachfühlbar.

Dann kam sie, die grosse Rechtschreibreform von 1996!

Sprachwissenschaftler und staatliche Gremien hatten sich jahrelang darüber hergemacht, die deutsche Rechtschreibung zu vereinfachen, systematischer zu gestalten und von manchen Ausnahmen zu befreien. Zugegeben, ein hehres Ziel. Über dessen Sinn, Nutzen und vor allem Umsetzung allerdings bis heute gestritten wird.

Zu Recht, wie Grauwolf meint. Denn anstatt die deutsche Sprache vielleicht noch etwas präziser, nuancierter und ausdrucksstärker zu gestalten, wurde ihre Rechtschreibung teils regelrecht verplumpt.

Für Grauwolf hat jeder "Kulturwandel" seine Chancen, aber auch seine Grenzen. Und es gefällt ihm überhaupt nicht, einem ihm geradezu lemmingehaft erscheinenden Diktat Folge leisten zu sollen, wenn dieses nach seiner Wahrnehmung die altbewährte deutsche Sprache teilweise geradezu verkrüppelt. Daher verweigert sich dieser Blog dem "Amtlichen Regelwerk Neue Deutsche Rechtschreibung" ebenso wie dem sogenannten Gendern.

Grauwolfs Lieblings-Unworte

Wie sensibel drückt das Wort "rauh" eine Oberflächenbeschaffenheit aus. Mit dem "h" meint man sie fast zu spüren, die kleinen Unebenheiten und Hautunfreundlichkeiten. Aber wie geradezu nichtssagend klingt dagegen ein "rau", fühlt sich doch wohl eher glatt und lackiert an, nicht?

Ein anderes sprachliches Feindbild findet Grauwolf in "mithilfe von". Das klingt doch wie "mittendrin", "mitmachen" oder "mittendurch". Aber sicher nicht aufmunternd und erleichternd sowie auch erläuternd in "mit Hilfe von". Und der altruistische Charakter von "Hilfe" wird in "mithilfe von" komplett wegbanalisiert, oder was meinen Sie?

"Postum", auch so eine Wortruine. Klingt wie "punktum und fertig!", oder? Will aber fast das Gegenteil meinen, nämlich etwas nach dem Tod Hinterlassenes. Dazu passt das frühere "posthum" viel besser, findet Grauwolf. Klingt es mit dem "h" doch etwas "andächtiger". Und die Assoziation von "hum" mit "Humus" gemahnt unsere antropozentrische Hybris daran, was wir nach dem Tode ja unweigerlich irgendwann werden, banaler Mutterboden, nicht?

Gendersprech nein danke

Völlig schleierhaft ist es für Grauwolf, wie es tatsächlich möglich wurde, dass sich Teile der Gesellschaft nicht nur freiwillig sondern geradezu ekstatisch einem sprachlichen Minderheitenopiat hingeben. Dem sogenannten Gendersprech.

Schon mal vom "Glottisschlag" gehört? Das ist dieser von Grauwolf als vorsätzlich empfundene Sprachfehler, den sich mittlerweile auch namhafte Moderatorinnen und Moderatoren antrainiert haben, um das nicht einmal amtliche "Gendersternchen" akustisch zum Ausdruck zu bringen. Selbst ehemals ernstzunehmendere TV-Nachrichtensendungen haben ihre vormals klare Aussprache diesem Minderheitendiktat inbrünstig hingeopfert. Lächerlich, wenn's nicht so traurig wäre, findet Grauwolf. Zudem muss er dann schnell wegzappen, um keinen Schluckauf vom Zuhören zu bekommen.

Schon rein semantisch führt diese Sprachunkultur zu völlig überflüssigen Verbalunfällen. Oder haben Sie schon mal von einem "Gäst" gehört oder gelesen, wie in "GästInnen"? "N'Abend, ich bin der neue Gäst", Rezeptionistin (so um die 50): "T'schuldigung??"

Völlig absurd, findet Grauwolf, falls das jemandIn interessiert…

Und geradezu lebensgefährlich wird es dann beim "FussgängerInnenstreifen". Wo bitteschön ist der denn jetzt? Innen oder aussen?

Eben.

Sprachentgleisungen im Social-Media Duktus

Früher "stürzten" in seriösen Katastrophennachrichten Flugzeuge in Häuser. Eine sprachliche Umschreibung, die bereits sowohl den Hergang als auch die Vorstellung von den verheerenden Folgen vermittelt.

In Social-Media-Nachrichten heute "krachen" Flugzeuge in Häuser. Eine reisserische Beschreibung, die nicht nur die Würde betroffener Opfer missachtet, sondern vermutlich vor allem für Clickbait-Profite anfixen soll. Aber welch Wunder, ist die heutige Autorenschaft doch womöglich von klein auf mit entseelendem "Ego-Shooter"-Gaming konditioniert worden. Und darin kracht und smasht es nun mal, wenn virtuelle Menschen draufgehen, nicht?

Bemerkenswertes wird nicht etwa präzise erläutert, sondern pauschal mit MEGA etikettiert, was altgriechisch eher "gigantisch" bedeutet. Gerüchte, Behauptungen und Unterstellungen sind jetzt sämtlichst "Erzählungen". Und Ungenauigkeiten werden nicht etwa konkreter beschrieben, sondern mit "Rauschen" schubladisiert.

Aber best-of-all findet Grauwolf Unworte wie "Foodporn" oder "Historyporn". Der Begriff "Pornografie" stammt bekanntlich aus dem Altgriechischen. Wobei "Pórnē" das Wort für eine Hure war, heute "Sexarbeiterin" im erfreulich entkrampften Sprachgebrauch. Sowie "Grafie", das substantiviert vom altgriechischen "gráphein" = schreiben abgeleitet ist. Die ursprüngliche Wortbildung lässt sich sinngemäss als "über Huren schreibend" verstehen.

In diesem Sinne verstanden, würden Titulierungen wie "Foodporn" und "Historyporn" also Aufklärung über die Ernährungsweisen und die Lebensläufe von Sexarbeiterinnen vermuten lassen. Welch grosse Überraschung, wenn dann in den zugehörigen Artikeln Fotos von Speisen oder Auszüge aus Geschichtsbüchern präsentiert werden.

Alles nur Online-Verrohung und ‑Verwirrung, meint Grauwolf…

Falls das jemandIn interessiert.

RadwegInnen oder kleiner Gag am Rande

In den 1990er Jahren hatte eine "Frauenbeauftragte" in einer deutschen Grossstadt offenbar nichts wichtigeres zu tun, als sich Gedanken über die "Geschlechtergerechtigkeit auf den städtischen Radwegen" zu machen. Sie kam zu dem Schluss, die Signaletik auf den Radwegen sei diskriminierend, und die Querstange (das "Oberrohr") der Radwegsymbole müsse verschwinden.

Die Initiative sollte damals ein "Zeichen gegen die automatische Darstellung des Mannes (bzw. des Herrenrads) als Standard in der Gesellschaft" setzen. Anfangs erntete die Stadt dafür viel Spott. Doch das "Damenrad ohne Stange" ist seither allen Ernstes ein Erkennungszeichen der Stadt auf den Radwegen geblieben, wie auch unschwer auf Google Street View zu erkennen ist. Immerhin, auf der Beschilderung findet Mann es mancherorts noch, das "Oberrohr".

Und es geht das Gerücht, dass Strassenarbeitende in dieser Stadt für die Fahrrad-Piktogramme auf Fahrradstrassen oder Radwegen oft Standardschablonen mit Querstange nutzen. Das "Oberrohr" soll dann nahezu chirurgisch amputiert werden, so dass auf dem Bodenbelag nur noch ein "Damenrad" (bzw. ein Rad mit tiefem Einstieg) zurückbleibt.

"Kein Witz jetzt", um es nach Art des von Grauwolf sehr geschätzten Mario Barth einzuordnen. Und schon mal überlegt, was dieser Irrwitz wohl gekostet hat und noch kostet? Zumal diese Stadt seit Jahrzehnten sparen muss, bei der Strassenerhaltung ebenso wie bei der Jugendarbeit, den städtischen Bädern und anderen kommunalen Leistungen. Wo bleibt da eigentlich der Protest der steuerzahlenden Männer?

Mal ganz abgesehen davon, dass Grauwolf sich als Mann jetzt fürchterlich diskriminiert fühlt auf Radwegen, die "nur Frauenräder" zeigen. Und sich überlegt, dagegen "therapeutische Hilfe" in Anspruch zu nehmen. Oder womöglich darf Mann da ja überhaupt nicht darauf fahren, so ganz ohne "Oberrohr", haha…

Sorgen, die die Welt braucht, nicht?

Grauwolf meint:

Liebe GästInnen, viel VergnügIn beim LesIn.